| 01/ | Circuitry of the Wolf | (Mew) | |
| 02/ | Chinaberry Tree | (Mew) | |
| 03/ | Why Are You Looking Grave? | (Mew) | |
| 04/ | Fox Cub | (Mew) | |
| 05/ | Apocalypso | (Mew) | |
| 06/ | Special | (Mew) | |
| 07/ | The Zookeeper's Boy | (Mew) | |
| 08/ | A Dark Design | (Mew) | |
| 09/ | Saviours of Jazz Ballet (Fear Me, December) | (Mew) | |
| 10/ | An Envoy to the Open Fields | (Mew) | |
| 11/ | Small Ambulance | (Mew) | |
| 12/ | The Seething Rain Weeps for You (Uda Pruda) | (Mew) | |
| 13/ | White Lips Kissed | (Mew) | |
| 14/ | Louise Louisa | (Mew) | |
| 15/ | Forever and Ever | (Mew) | |
| 16/ | Shiroi Kuchibiruno Izanai (White Lips Kissed - Japanese Version) | (Mew) |
Produced by Michael Beinhorn
Tracks 13 and 16 produced by Mew and Joshua
Recorded at Michael's Place, Venice Beach, California 2004
Engineered by Frank Filipetti, Felipe Tichauer, Michael Beinhorn
Track 13 recorded at Mox Studios, Copenhagen 2005
Extra vocals on track 16 recorded at Sauna Studios, Copenhagen
Engineered by Mads Nørgard
Mixed by Kevin Bacon & Jonathan Quarmby for Manna Productions
Mastered by George Marino at Sterling Sound, NYC
MEW: Jonas Bjerre, Bo Madsen, Johan Wohlert, Silas Utke Graae Jørgensen
with
Bo Rande - flügel horn (2,3), trumpet (13,14)
Lasse Mauritzen - french horn (2,3,14)
Rebecca Stark - soprano voice (2,8)
J Mascis - additional vocals (3), additional backing vocals (10)
Damon Tutunjian - additional guitar (5)
Mathias Aagaard Christensen, Frederik Peter Jakobsen, Niklas Emil De Fries & Frederik Stadager Larsen - boy choir (13)
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Prog-Pop in den höchsten Tönen - doch diese Dänen passen auf, daß ihnen nichts bis hinter den Mond fährt. Weil Pop schlecht vergessen kann, die Zeit aber immer weiter marschiert, gebiert sie immer neue und oftmals fragwürdige Liaisons in music. Prog-Pop heißt eine solche seltsame Laune - und mit Mew verfügt sich über wundersame Protagonisten. Denen es als Vertreter einer von später Geburt gesegneten Generation nur schwer beizubringen ist, was daran schlimm sein kann, wenn man Konzeptalben zusammenschrauben tut. Nun, AND THE GLASS HANDED KITES, ihr zweites, ist kein Konzeptalbum per Definition, wurde aber laut Infoschreiben geschaffen, um nicht weniger als das Konzept Album und das Konzept Konzeptalbum neu zu definieren. Und dann auch noch diese Texte, in denen es stilecht aufs Heftigste surrealisiert und sich sonst ein Unsinn Bahn bricht: "We are the defenders of jazz ballet. People say, when they see us: 'Hey folks! It's the saviours of jazz ballet. Fearless heroes of kick and spin." Aber hoppla, da ist ja auch Humor! Und es findet sich eine starke Liebe zu Melodien in klaren Linien und Kanons seligster Einfalt, und eine derart ausgeprägte Indiegitarrenpop-der-frühen-bis- mittleren-90er-Sozialisation - die kriegst du auch nicht mit der Idee kaputt, 60 Minuten mit einem einzigen Song vollzupacken (was dem Album einen ziemlichen Sog verleiht, aber nicht so weit vorangetrieben wurde, daß z.B. keine Singles übriggeblieben wären). Keine Frage, wenn hier einer sterben müßte, er würde es in Schönheit tun. Dank Schwulstlust und Moorlicht- Hinterherrennerei, und es wäre ein Tod durch Ertrinken in etwas Dickflüssigem. Aber es stirbt ja niemand. Wenn einer der vier Dänen in die Knie geht, dann nur, weil er beten tut. Zu J. Mascis z.B. Der erhört sie dann auch und singt gleich mit. In Lied zwei: "Chinaberry Tree". ****½ (4½ stars out of 6) [Oliver Götz, Musikexpress 2/06, p. 83]
Progressive Liedgebilde und betörender Pop aus Dänemark. Eine ganz seltsame Musik ist das, die sich die
Dänen Mew für ihr daheim schon lange erhältliches Debüt ausgedacht haben. "Great melancholic pop", schreibt die "Times"
in Ermangelung spezifischer Termini, "The best new prog-band in the world", findet "Mojo" wie üblich superlativ, und der
"NME" springt von einem "dazzling post-prog opus". Das Wort progressiv muß also fallen, um die düster sehnenden,
wachtraumartigen Liedgebilde der Herren Bjerre, Madsen, Wohlert und Jørgensen zu charakterisieren. Und tatsächlich ist
das Hirngespinstige, melodisch Unorthodoxe und Architektonische der Ausgangspunkt für Mew und ihre Glasdrachen. Aber wie
sich das hier mischt mit mondsüchtigen, oft im Falsett gesungenen Popmelodien, das ist unerhört - und die eigentliche
Überraschung. King Crimson und REO Speedwagon? Nicht ganz verkehrt. Porcupine Tree und Sigor Rós? Die richtige Fährte.
Auch Muse werden gelegentlich als Vergleich genannt, obwohl von der überkandidelten Hysterie der Briten hier keine Spur
ist. Die Singles "Apocalypso" und "Special" etwa leben von derart dramatischen Melodien.
Insgesamt präsentieren Mew ihre vielen Ideen und Stilverweise - amerikanischer MOR-Rock der 80er, Synthie-Pop, der Prog
der 70er Jahre - immer auf der Grundlage derselben Klänge und Arrangements, was diese Platte zu einem Gesamtkunstwerk
werden läßt, in dem man einzelne Lieder zunächst gar nicht unterscheidet (zumal es keine Pausen gibt). Dunkel trottende
Trommeln, eine etwas lapidar, Fripp-artig gespielte Gitarre, dazu jede Menge analoger Keyboards und vielfach getürmte
Gesangsharmonien, so gehen hier die Lieder. Der Prolog "Circuitry Of The Wolf", der windschiefe Grabgesang "A Dark Design",
das vertrackte "An Envoy To The Open Fields" - Mew spielen immer mit demselben Grundgefühl. Und zelebrieren eine Art Messe
für den Übergang zwischen Wachen und Schlafen, hypnotisch, selbstvergessen, unbedingt betörend. Dieser Drachen soll
steigen! **** (4 stars out of 5) [Jörn Schlüter, Rolling Stone 2/06, p. 104]